Ina Seidel: Ruhe in dir[www.derkleinegarten.de]
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Ina Seidel: Ruhe in dir
Ruhe in dir
Mein Haupt auf deine Brust geneigt,
So laß mich liegen, laß mich lauschen,
und wenn dein Mund nun lächelnd schweigt, hör ich es tief und dunkel rauschen,
und wie dein herz das süße Blut
Läßt unablässig klingend quellen,
Wird mir, als wiege stake Flut
Mich sicher auf breiten Wellen.

ein Liebesgedicht von I. Seidel




Ein Tropfen Traurigkeit ...

Ein Tropfen Traurigkeit ist gut dem Blute.
Das dunkle läutert sich und schimmert heller-
Das allzu schwere rinnt ein wenig schneller,
Das schon gestillt in satter Süße ruhte.

I. Seidel

Uralt

Das Meer hat mich zur Welt gebacht,
Nun braust es fremd und kennt mich nicht,
Ich aber lausche, wenn es wacht
Und mit den Sternen sich bespricht.

Das Meer ist wie die Sterne alt,
Und ich bin auch so alt wie sie.
Ich wechsle ewig die Gestalt -
Sie aber wandelten sich nie.

Ina Seidel

Trauer, Tod:  Gedichte, Sprüche, Worte, Bilder,  Anteilnahme,  Hilfe, Trost und Beileid Joseph von Eichendorff: Auf meines Kindes Tod
Das Kindlein spielt' draußen im Frühlingsschein,
Und freut' sich und hatte so viel zu sehen,
Wie die Felder schimmern und die Ströme gehen -
Da sah der Abend durch die Bäume herein,
Der alle die schönen Bilder verwirrt.
Und wie es nun ringsum so stille wird,
Beginnt aus den Tälern ein heimlich Singen,
Als wollt's mit Wehmut die Welt umschlingen,
Die Farben vergehn und die Erde wird blaß.
Voll Staunen fragt 's Kindlein: "Ach, was ist das?"
Und legt sich träumend ins säuselnde Gras;
Da rühren die Blumen ihm kühle ans Herz
Und lächelnd fühlt es so süßen Schmerz,
Und die Erde, die Mutter, so schön und bleich,
Küßt das Kindlein und läßt's nicht los,
Zieht es herzinnig in ihren Schoß
Und bettet es drunten gar warm und weich,
Still unter Blumen und Moos. -

"Und was weint ihr, Vater und Mutter, um mich?
In einem viel schöneren Garten bin ich,
Der ist so groß und weit und wunderbar,
Viel Blumen stehn dort von Golde klar,
Und schöne Kindlein mit Flügeln schwingen
Auf und nieder sich drauf und singen. -
Die kenn ich gar wohl aus der Frühlingszeit,
Wie sie zogen über Berge und Täler weit
Und mancher mich da aus dem Himmelblau rief,
Wenn ich drunten im Garten schlief. -
Und mitten zwischen den Blumen und Scheinen
Steht die schönste von allen Frauen,
Ein glänzend Kindlein an ihrer Brust. -
Ich kann nicht sprechen und auch nicht weinen,
Nur singen immer und wieder dann schauen
Still vor großer, seliger Lust."


Trauer, Tod:  Gedichte, Sprüche, Worte, Bilder,  Anteilnahme,  Hilfe, Trost und Beileid Joseph von Eichendorff: ... Schlaf wohl mein süßes Kind!
Dort ist so tiefer Schatten,
Du schläfst in guter Ruh,
Es deckt mit grünen Matten
Der liebe Gott dich zu.

Die alten Weiden neigen
Sich auf dein Bett herein,
Die Vöglein in den Zweigen
Sie singen treu dich ein.

Und wie in goldnen Träumen
Geht linder Frühlingswind
Rings in den stillen Bäumen -
Schlaf wohl mein süßes Kind!

Joseph von Eichendorff
Morgenrot Joseph von Eichendorff: Morgenrot
Gewalt'ges Morgenrot, Weit, unermeßlich – du verzehrst die Erde! Und in dem Schweigen nur der Flug der Seelen,

Die säuselnd heimziehn durch die stille Luft. –